Am Anfang waren die Vaganten und Goliarden
Die Studentenverbindung ist bedeutend älter, als man gemeinhin annimmt. In ihrer ursprünglichen Form tritt sie zugleich mit der Entstehung der mittelalterlichen Universität in Erscheinung (Privileg Barbarossas in Bologna im Jahr 1158). Die Studenten des Mittelalters gliederten sich in vier Gruppen: einheimische Studenten, Extra bursam stantes (bei Verwandten wohnende Studenten), Vagantes (Vaganten – fahrende Studenten) und Bursalen.
Die Vaganten gehörten zum sogenannten fahrenden Volk, zu den Spielleuten, Rittern, Marktschreiern, Possenreißern und ihresgleichen. Man nannte sie Goliarden oder Bacchanten; es war wahrhaftig ein internationales, buntes Völkchen. Unter ihnen gab es viele Dichter, die zur Freude am Leben sangen und dichteten. Zu den berühmtesten zählten der „Archipoeta“ (12. Jahrhundert) und François Villon (französischer Dichter des 15. Jahrhunderts). Sie begründeten die Tradition des studentischen Liedes. Die bekannteste Sammlung von Vagantendichtung ist die im Jahr 1803 im Kloster Benediktbeuern aufgefundene „Carmina Burana“, die Carl Orff im Jahr 1936 vertonte.
Nationes und Bursen
Die Studenten an den mittelalterlichen Universitäten gründeten eigene Schutzgemeinschaften, die sogenannten Nationes (Nationen), um sich die vom Landesherrn gewährten Freiheiten zu sichern. Sie bestanden als die ersten studentischen Zusammenschlüsse. Ihre Gliederung ergab sich aus der sprachlich-landsmannschaftlichen Herkunft der Studenten, d. h. nach der Muttersprache des Studenten. Die Einrichtung der Burse war eine Wohngemeinschaft für ein geordnetes Zusammenleben an den Universitäten. Die erste ihrer Art war das Collegium Sorbonicum, gegründet im Jahr 1257 in Paris. Wer innerhalb von sieben Jahren das „Baccalaureat“ nicht erlangte, musste das Collegium verlassen – woran die Bedeutung des wissenschaftlichen Prinzips deutlich wird. Diese Form des Zusammenlebens verbreitete sich rasch und erhielt den Namen „Bursa“ (Geldbeutel), d. h. ein Ort, an dem man aus einem gemeinsamen Beutel lebt. Der Bewohner der Burse hieß Bursarius oder Burs. Aus dieser Bezeichnung entstand das Wort Bursch und daraus wiederum die Bezeichnung des Zusammenschlusses als „Burschenschaft“.
Die Bursen waren nicht nur Unterkünfte, sondern auch Stätten des Unterrichts, in denen eine klösterliche Ordnung und ein fester Tagesablauf herrschten (Wecken um 4 Uhr, Nachtruhe um 21 Uhr). Sie besaßen eine eigene Selbstverwaltung und wurden in wichtigen Rechtsfragen und kirchlichen Angelegenheiten gehört. Um feierlich an der Universität aufgenommen zu werden, musste sich der Bewerber zunächst an eine Natio oder eine Burse wenden; erst danach konnte er in die Matrikel (das Verzeichnis der Studierenden) eingetragen werden. Die Aufnahme an der Universität erfolgte in drei Stufen: über den Rektor an die Universität, über den Dekan an die Fakultät und über den Senior bzw. den Rektor der Burse in die Natio oder die Burse.
Die neuen Nationes: die Landsmannschaften
Seit der Reformation musste ein großer Teil der deutschen Universitäten auf die engere Verbindung mit der Kirche verzichten und geriet daher unter die Gewalt des Landesherrn. Der Einfluss der Bursen schwand, und die alten Nationes, die ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen konnten, lösten sich auf – nicht jedoch der Wunsch der Studenten, ein gemeinschaftliches Leben zu führen. Überdies verlieh Kaiser Maximilian I. im Jahr 1514 den Studenten die Rechte freier Bürger, darunter auch das Recht, Waffen zu tragen.
Etwa ab dem Jahr 1615 entstanden neue Nationes, die als Landsmannschaften organisiert waren (diese Angaben sind nicht genau, da die Landsmannschaften völlig geheime Organisationen waren, denn die offiziellen akademischen Instanzen waren mit dieser Art des Zusammenschlusses nicht einverstanden).
Wenngleich die neuen Nationes – die Landsmannschaften – ähnliche gemeinschaftliche Anliegen verfolgten wie die alten, war das landsmannschaftliche studentische Erziehungsprinzip an ihnen neu. Nach Beseitigung aller sozialen Unterschiede wurde ein rein studentisches Recht des Älteren nach der Dauer der Mitgliedschaft eingeführt. Jeder Student, ob reich oder arm, hatte sich im ersten Studienjahr (dem sogenannten Pennaljahr) den Weisungen seiner älteren Bundesbrüder (der sogenannten Schoristen bzw. (Ehren-)Burschen) unterzuordnen. Die älteren Mitglieder erzogen sodann die jüngeren, mitunter nicht ohne Anwendung körperlicher Mittel. Aufgrund ihres wachsenden gesellschaftlichen Einflusses wurden die Landsmannschaften von der Obrigkeit zumeist verboten, so etwa im Jahr 1654 durch einen Beschluss des Regensburger Reichstags. Der Beitritt zu einer Landsmannschaft wurde häufig schlicht mit der Relegation (dem Ausschluss vom Studium) bestraft.
Allmählich entwickelten sich Demokratie und feinere Umgangsformen, und die Landsmannschaften blühten besonders in Leipzig und Jena auf, wo unter vielerlei Namen (Collegium Philobiblicum, Musicum …) zahlreiche Landsmannschaften entstanden. Zu den bekanntesten zählten die Lausitzer Predigergesellschaft (Societas Lusatorum Sorabica, bekannt als Sorabica) in Leipzig und die Mosellanische Landsmannschaft in Jena. Dies waren die ersten Organisationsformen mit einem Senior und weiteren Chargen, die für die Vertretung der Landsmannschaft und den Schutz ihrer Mitglieder verantwortlich waren. Aus dieser Zeit stammen auch die Aufnahmezeremonien mit Eid und Verbindungsnamen; man darf jedoch nicht vergessen, dass die Zugehörigkeit zur Landsmannschaft mit der Exmatrikulation endete. „Alte Herren“ bzw. das Lebensbundprinzip im heutigen Verständnis gab es noch nicht.
Die Orden
Außerordentliche Bedeutung für die weitere Entwicklung ging von den studentischen Orden aus. Sie bildeten sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts in offenem Gegensatz zu den Landsmannschaften. Ihr Gedankengut stammte von den Freimaurern. Ein Orden war ein überörtlicher Dachverband mit zwei oder mehreren Logen unter einem gemeinsamen Ordensmeister und einer Mutterloge. Unter dem Einfluss der Aufklärung (Illuminismus) strebten sie nach wahrer Freundschaft und nach der Beglückung des Menschen. Erstmals schufen sie ein „Bruderstatut“, in dem die Anerkennung und Erwiderung gegenseitiger Dienste unter den Mitgliedern verpflichtend festgelegt war. Als äußeres Zeichen trugen die Mitglieder das Ordenskreuz an einem Band, auf dem der Wahlspruch (nur abgekürzt – der Zirkel), die Art des Ordens und das Gründungsdatum des Ordens angegeben waren. Durch die Einführung des Freundschaftsprinzips und der Betreuung der neuen Mitglieder wurden die bisherigen studentischen Bräuche veredelt. Die Zugehörigkeit zum Orden galt bis zum Tod. Trotz der Unterschiede zu den Landsmannschaften wurde im Jahr 1791 in Jena eine schriftliche Übereinkunft über einen gemeinsamen Comment geschlossen, und es wurden die Schweigepflicht (das Conventsgeheimnis), der Couleurname (Verbindungsname), der Zirkel sowie die Kennzeichnung der Chargen (x, xx, …) eingeführt.
Die Corps
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts vervollkommneten sich die Landsmannschaften und Orden und erlangten große Bedeutung. Im Jahr 1783 entstand der erweiterte Zirkel in seiner heutigen Form. Aus der Verschmelzung der Prinzipien der Landsmannschaften und der Orden ging eine neue Form hervor, die zunächst „Landsmannschaft“ hieß; als die Behörden auf diese Bezeichnung jedoch allergisch reagierten, suchte man einen neuen Namen. Im Jahr 1810 kam die Bezeichnung „Corps“ auf.
Die Herrschaft Napoleons lastete schwer auf Europa, und so griffen die Studenten zu den Waffen. Bereits im Jahr 1799 entstand in Wien und im Jahr 1809 in Innsbruck ein kurzlebiges akademisches Corps für den Freiheitskampf gegen Napoleon. Nach dem siegreichen Abschluss der Befreiungskriege nahmen sie endgültig den Namen Corps an. Die Corps waren Träger des vorburschenschaftlichen Ehrbegriffs: Sie hielten (und halten vielfach bis heute) an der unbedingten Satisfaktion und der Notwendigkeit des Duells fest. Das älteste Corps (Onoldia) wurde im Jahr 1798 in Erlangen gegründet. Bald führten sie Band und Mützen ein, das Band setzte sich allgemein jedoch erst um 1830 durch.
Die Strömungen des klassischen Idealismus, angeführt von Schiller und Goethe, trugen sehr stark zur Entwicklung der Corps und der Burschenschaften bei.
Nach 1815 wurden die alten Corps – die Landsmannschaften – von den Burschenschaften zurückgedrängt. Nach 1848 kamen der Liberalismus, antiklerikale Töne (Bekundungen), das uneingeschränkte Duellprinzip und im Jahr 1859 die Einführung der Mensur (des studentischen Fechtkampfes).
Die Urburschenschaften
Nach den Siegen Napoleons wuchs das Streben, das fremde Joch abzuschütteln. Die Freiheit war von Anfang an eine Herzensangelegenheit der Studenten. Das Lützowsche Freikorps bestand fast ausschließlich aus Studenten. Die Dichter und Denker jener Zeit (z. B. Gottlieb Fichte mit seinen „Reden an die deutsche Nation“) riefen zu Widerstand und Befreiung auf.
Im Jahr 1808 entstanden Tugendbünde, die Napoleon jedoch verbot. Im Jahr 1810 wurde die Verfassung einer Urburschenschaft vorgelegt, die die Freiheit von Volk und Vaterland förderte.
Nachdem Napoleon besiegt war (Wiener Kongress), kehrten die Studenten an die Universitäten zurück. Mitglieder des Lützowschen Freikorps und weiterer örtlicher Vereinigungen, beflügelt vom Freiheitsgedanken, gründeten am 12. Juni 1815 in Jena die Urburschenschaft, aus der 1818 die Allgemeine Deutsche Burschenschaft hervorging (ADB). Die schwarz-rot-goldene Fahne der Urburschenschaft wurde gehisst, und es entstand eine Verfassung, die sich zum Wahlspruch „Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland“ bekannte. Auch Gymnasiasten, Turner und andere hatten Anteil an der burschenschaftlichen Bewegung.
Es ging darum, diese Ideale der ganzen Welt ins Bewusstsein zu bringen, und so wurde am 17. Oktober 1817 das erste Wartburgfest veranstaltet (Wartburg bei Eisenach in Thüringen). Es war ein allgemeines Fest, zugleich im Gedenken an den 300. Jahrestag des Beginns der Reformation (protestantisches Gedankengut) und an den 4. Jahrestag des Sieges über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig. Es kamen rund 500 Studenten von nahezu allen deutschen Universitäten, die die Bücher jener Autoren (z. B. Kotzebues) verbrannten, die „sich am deutschen Volk versündigt“ hatten.
Dabei wurden 35 Forderungen veröffentlicht (unter anderem die Forderung nach politischer, kirchlicher und wirtschaftlicher Einheit, nach dem Aufbau einer Wehrmacht, nach der Entwicklung einer konstitutionellen Monarchie mit Verfassung, nach Rechtseinheit sowie nach Meinungs- und Pressefreiheit), die die Aufmerksamkeit der Obrigkeit erregten und den Anstoß zur Verfolgung der Burschenschaften gaben.
Der Dichter und Staatsrat August von Kotzebue polemisierte scharf gegen die Urburschenschaften und gegen das gesamte Wesen der Universitäten. Um dem Vaterland einen Dienst zu erweisen, erstach ihn am 23. 3. 1819 in Mannheim der Theologiestudent Carl Ludwig Sand. Sand hatte sich am Wartburgfest beteiligt und war, wenn auch nur kurze Zeit, Mitglied einer Burschenschaft gewesen. Fürst Metternich nahm dies zum Anlass, am 20. 9. 1819 ein allgemeines Verbindungsverbot zu erlassen. So entstanden die Karlsbader Beschlüsse, die nicht nur für die Urburschenschaften galten, sondern auch Vereinigungen und Versammlungen verboten.
Dieses Gesetz wurde bis 1848 regelmäßig verlängert, einige Verbindungen blieben jedoch auch als Geheimbünde bestehen.
Die Burschenschaften
Die burschenschaftliche Bewegung spaltete sich aufgrund innerer Gegensätze. Jene, die einen politischen Aktivismus vertraten, bildeten die Mehrheit.
In den Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts wandelten sich viele Burschenschaften zu politisch radikalen „Progressverbindungen“, die das traditionelle Studentenleben reformieren wollten, während sich die stark kämpferisch-studentische Richtung den neuen Corps annäherte.
Nach 1848 wurde das Verbindungsverbot in Deutschland aufgehoben, die Burschenschaften an den deutschen Universitäten wurden wiederbelebt, schlossen sich am 20. 9. 1881 zum Allgemeinen Deputierten-Convent zusammen und nahmen am 20. Mai 1902 den Namen Deutsche Burschenschaft an.
Die Entstehung der christlichen Studentenverbindungen
Studentische religiöse Kreise bemühten sich bereits seit 1830, sich von allen radikalen Methoden der Burschenschaften fernzuhalten, und suchten einen neuen Weg. Die Ablehnung der unbedingten Satisfaktion, der Duelle und Mensuren (dessen, was vor allem die Corps pflegten), des politischen und wirtschaftlichen Liberalismus sowie die Kirchenfeindlichkeit der Burschenschaften führten zur Gründung der ersten christlichen und katholischen Verbindung.
Im Jahr 1844 gründeten sechs Theologiestudenten in Bonn die erste katholische Verbindung „Bavaria“, die jedoch in den Wirren der Revolution unterging. Im Jahr 1848 gründeten zwölf Gymnasiasten in München einen katholischen Leseverein, der später zur ältesten katholischen Hochschulverbindung „Aenania“ in München wurde. Diese Verbindung und die Verbindung „Winfridia“ in Breslau (poln. Wrocław) schlossen am 6. 12. 1856 ein „Schutz- und Trutzbündnis“, aus dem der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) hervorging, der später alle deutschen und österreichischen Verbindungen vereinte. Die nichtfarbentragenden Vereine spalteten sich im Jahr 1913 ab und bildeten den Kartellverband katholischer Studentenvereine (KV).
In Österreich waren nach 1848 alle Studentenverbindungen verboten. Im Jahr 1862 wurden lediglich akademische Gesellschaften zugelassen; im Jahr 1858 wurde die „Helvetia Oenipontana Innsbruck“ gegründet. Im Jahr 1864 erblickte die älteste und bis heute aktive österreichische katholische Verbindung „Austria“ Innsbruck das Licht der Welt. Die älteste Wiener Korporation, die „Austria“ Wien, wurde im Jahr 1876 gegründet und bemühte sich bereits in ihrer Anfangsphase um die Gründung eines österreichischen Verbandes.
Die Entwicklung im 20. Jahrhundert
Während es in Deutschland infolge der klaren konfessionellen Trennung (Protestanten überwiegend im Norden, Katholiken im Süden) zu keinen allzu schwerwiegenden direkten Konflikten zwischen christlichen und schlagenden Verbindungen kam, setzte in Österreich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine starke Polarisierung ein: der sogenannte Kulturkampf. Im Gefolge der „Los-von-Rom“-Bewegung versuchten Protestanten sehr häufig, sich in schlagenden Burschenschaften und Corps zu korporieren und deutschnationales Gedankengut als Gegenpol zum katholischen Glauben durchzusetzen. Die damals zahlenmäßig kleinen katholischen Verbindungen waren die einzigen studentischen Zusammenschlüsse, die den katholischen Glauben an den Universitäten verteidigten – auch unter Einsatz des eigenen Lebens.
Straßenschlachten waren um die Jahrhundertwende an der Tagesordnung. Vor allem in Graz war die Lage äußerst angespannt, und dies hielt bis zum Ende der Monarchie an.
Mit der wachsenden Bedeutung des Nationalismus und der späteren Machtübernahme Hitlers (1933) glaubten die schlagenden Korporationen, ihr Ziel erreicht zu haben, und die Deutsche Burschenschaft löste sich am 18. 10. 1935 offiziell auf, wobei mehrere Korporationen in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) aufgenommen wurden. Die österreichischen Burschenschaften bildeten die Burschenschaften der Ostmark und wurden nach dem Anschluss mit geänderten Satzungen als Kameradschaften in den NSDStB eingegliedert.
Die katholischen Verbindungen und Verbände (KV und CV in Deutschland; in Österreich der 1933 gegründete ÖCV, der ÖKV, die katholischen Landsmannschaften und die Mittelschulverbindungen im MKV) leisteten jeden erdenklichen Widerstand, doch ihre Mitglieder wurden wegen ihrer christlichen und demokratischen Haltung vom nationalsozialistischen Regime verfolgt, und viele von ihnen kamen in Konzentrationslagern ums Leben. Obwohl sie vom Regime offiziell aufgelöst (verboten) worden waren, bestanden die christlichen Verbindungen im Geheimen fort und waren, soweit es nur möglich war, aktiv, sodass sie später auch wiedergegründet werden konnten (Alpinia Innsbruck).
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden die Burschenschaften neu und bildeten im Jahr 1950 eine neue Deutsche Burschenschaft, die sich bis heute als politische studentische Gemeinschaft versteht, welche offiziell an der Ideologie des deutschen Volkstumsgedankens und der deutschen Einheit festhalten will.
Die christlichen Korporationen fanden wieder zueinander und schlossen sich zusammen. Sie arbeiteten häufiger und enger zusammen, entwickelten und verbreiteten ihre christlich-demokratischen Haltungen im universitären wie im gesellschaftlichen Raum – bis hin zur Gründung des Europäischen Kartellverbandes christlicher Studentenverbände (EKV).
Damen im Couleurstudententum
An den Wartburgfesten konnten auch Frauen teilnehmen, und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand der Status der „Couleurdame“. Die erste Verbindung farbentragender Studentinnen wurde bereits im Jahr 1899 als Studentinnenverein Hilaritas in Bonn gegründet. Diese und spätere Verbindungen schlossen sich zu verschiedenen Verbänden zusammen. Da jedoch kaum eine Frau die Möglichkeit erhielt, an einer Hochschule zu studieren, kam diesen Korporationen keinerlei Bedeutung zu.
Heute gibt es mehr aktive Pennalien als Verbindungen auf akademischer Ebene, und dies alles nur im konfessionellen Lager (katholische oder christliche Verbindungen), da die schlagenden und die freischlagenden Korporationen den Frauen keine nennenswerte Rolle eingeräumt haben. Seit 1988 besteht auf Mittelschulebene der Verband farbentragender Mädchen (VfM) im EKV.
Auf akademischer Ebene startete die Akademische Verbindung Austria Innsbruck im Jahr 1977 ein Experiment: die Vereinigung der Freundinnen der Austria, das im Jahr 1983 endete. Derzeit kennt die AV Austria nur den Status der „Couleurdamen“.
Im Jahr 1978 entstand die Veritas Baden – mit demselben Namen wie eine Verbindung im CV –; diese reine Damenverbindung entfaltet seit 1987 keine Aktivitäten mehr. Im selben Jahr führte die AV Vindelicia Innsbruck im ÖCV für ihre Damen ein sehr weit entwickeltes Damenstatut ein, das ein Damenchargenkabinett vorsah und die Damen in das Verbindungsleben einbezog. Die Damen strebten jedoch nicht danach, ihr Statut zu einer vollen Integration in die Verbindung – oder in den ÖCV – weiterzuentwickeln. In Wien gibt es die Norica Nova, die eng mit der Männerverbindung Norica verbunden ist und weder Eigenständigkeit noch volle Integration in den ÖCV anstrebt. In Innsbruck wurde im Jahr 1984 die Claudiana als gemischte Verbindung gegründet. Ihre etwa 20 Mitglieder entfalten derzeit jedoch kaum regelmäßige Aktivitäten, und es liegen keine Informationen darüber vor, ob die Verbindung noch besteht oder aufgelöst ist.
Seit 1992 besteht die Vereinigung Christlich-farbentragender Studentinnen (VCS), die sich aus reinen Damenhochschulverbindungen zusammensetzt: K.S.H.V. Juvavie Salzburg, C.A.St.V. Salia Babenberg Wien, C.O.St.V. Elisabethina Wien, K.A.St.V. Lenzia Wien.
In Deutschland nehmen der Schwarzburgbund und der Verband christlicher Verbindungen teilweise auch Frauen auf, z. B. die Hercynia in Heidelberg. Im Jahr 1972 nahm erstmals eine Verbindung im Technischen Cartell-Verband (TCV) eine Frau auf. Heute ist z. B. die Graphia in Stuttgart gemischt. Ferner werden Frauen in den Sondershäuser Verband, in den Deutschen Wissenschafter-Verband und in den Verband Deutscher Ingenieur-Corporationen aufgenommen. Die erste Damenverbindung nach dem Zweiten Weltkrieg war die textiltechnische Damenverbindung „Ferra Floris“ in Münchberg, die im Jahr 1977 gegründet wurde. Danach folgten die „Letitia“ Tübingen, die „Lysistrata“ Berlin, die „Meruhausia“ Freiburg, die „Amazonia Nova“ Marburg und die „Nausicaa“ Heidelberg.
Anmerkungen:
- „Kulérni študenti“ (Couleurstudenten) – dieser slowakische Ausdruck ist aus dem Tschechischen übernommen, und zwar vom Wort kulér, das eine Studentenverbindung bezeichnet; das Wort geht auf den deutschen Ausdruck Couleurstudenten zurück, d. h. Farben (Band) tragende Studenten.
- Comment – Begriff, der alle studentischen Bräuche und Symbole umfasst.
- Pennalien – Mittelschulverbindungen.
Bearbeitet von: Rastislav Pavlík
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